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Reichwein_um 1942

Reichwein war bis zu seiner Absetzung durch die Natonalsozialisten Professor an der Pädagogischen Akademie in Halle. Als fortschrittlicher Erzieher, der vielbeachtete Unterrichtsversuche im Sinne der Reform- und Arbeitspädagogik und Projektarbeit durchführte, praktizierte er ein von der Wandervogelbewegung geprägtes Unterrichtskonzept mit handlungsorientiertem Unterricht, Klassenfahrten, Schulgarten und jahrgangsübergreifenden Vorhaben. Als Kulturpolitiker (SPD) glaubte er an die dem Menschen eingeborene Güte. Als großer Wanderer, Flieger, Musiker, Geschichtenerzähler und Weltreisender im Geistes Goethes verkörperte er die positiven Kräfte der deutschen Jugendbewegung. Es ergab sich für ihn als Selbstverständlichkeit, dass er sich dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus anschloss. Aufgrund seiner denunzierten Zugehörigkeit zum Kreisauer Kreis wurde er verhaftet und vor Freislers Volksgerichtshof gestellt. Das Todesurteil wurde am 20. Oktober 1944 im Strafgefängnis Berlin-Plötzensee vollstreckt. Ihn überlebten seine Ehefrau Rosemarie und die vier Kinder.

Kurz vor der Vollstreckung des Urteils schrieb er:

Liebe Romai,

   die Entscheidung ist gefallen. In meiner letzten irdischen Stunde sind meine Gedanken noch einmal mit besonderer Innigkeit bei Dir und den Kindern, die du mir geschenkt hast und die mir Jahre - die mir viele erscheinen - so viel Freude, Aufrichtung und Erbauung waren.


   Diese drei Monate sind für mich trotz aller Qual auch von großerer innerer Bedeutung gewesen: sie haben vieles klären und hoffentlich auch läutern helfen, was man gern in seiner letzten Stunde geklärt und geläutert hat. Ich scheide ruhig, weil ich die Kinder in Deiner  Hut weiß.

   Seit dem 7. Juli (Tag der Verhaftung) war mein tägliches Gebet das "Vater Unser", dem sich die Fürbitte für Dich, die Kinder und die Eltern anschloss. Ich verdanke diesem Geist tägliche Stärkung.

   Möge Gott Euch stärken, das Schwere zu überwinden, ein Leben in Stärke fortzusetzen. Die Kinder, in eine Zukunft hineinwachsend, seien Dir Trost und später Freude. Dank Deinen Eltern, Geschwistern, Freunden für alles Gute!

   Dir mein ganzes Herz!

   Dein Edolf

 

Quellen: Wikipedia; "Du hast mich heimgesucht bei Nacht", Abschriedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933 bis 1945; hrsg. von H. Gollwitzer, K. Kuhn, R. Schneider; München 1954


Rosemarie Reichwein - Zeitzeugen-Porträt: https://www.youtube.com/watch?v=_0QeZF2vYQw

 

Erstellt vor 5 Tagen
Autor: Michael Kolbe
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Reichwein_um 1942 10.71 KB

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