Kategorie(n): Startseite
Ein rasend-frivoler Höllenritt
Orpheus in der Unterwelt
von Jacques Offenbach
Orpheus hat bei Jacques Offenbach ein kleines Imageproblem: Er ist ein lausiger Ehemann, ein mittelmäßiger Geiger und ein Mann, der seiner Frau hinterherläuft – nicht aus Liebe, sondern aus Angst vor schlechter Presse. In seiner Inszenierung legt Regisseur Barrie Kosky frei, was in der Operette seit 1858 schlummert: ein Gesellschaftsstück von beunruhigender Aktualität, in dem die Ehe eine Farce ist, der Olymp eine schlechte Verwaltung und die Hölle der einzige Ort mit echtem Programm. Eurydike, im Mythos bloße Muse und Anlass männlicher Traurigkeit, ist bei Offenbach die eigentliche Hauptfigur: eine Frau, die nicht gerettet werden will und am Ende selbst entscheidet, zu bleiben. Wo? Unten. Als Bacchantin. Mit gutem Grund. Ein Gespräch über radikale Frauenfiguren, dionysische Lustspiele und jüdische Musiktraditionen in Offenbachs Orpheus in der Unterwelt.
https://www.komische-oper-berlin.de/spielplan/a-z/orpheus-in-der-unterwelt/
© 2026 Christian Flach, katholische Schule Liebfrauen